
Seitenwechsel
Ausstellung im Suermondt-Ludwig-Museum
Unfassbar, da wohne ich jetzt schon so viele Jahre in Aachen und habe es noch nie in dieses Museum geschafft, dabei ist schon alleine das Gebäude ein Stadtpalais aus dem 19. Jahrhundert einen Besuch wert.
"Seitenwechsel" ist eine Ausstellung, die sich mit den Rückseiten von Gemälden beschäftigt und die sind interessanter, als man zunächst glauben mag. Neugierig geworden durch einige Plakate machte ich mich als am Eröffnungswochenende auf den Weg und fand, nach schlappen 3, Euro Eintritt (der gilt für das gesamte Museum), etwa 30 Exponate in einem abgedunkelten Raum (nun gut, zuvor fand ich die Garderobe und die Toilette und danach fand ich alles mögliche, nur nicht die Ausstellung, bis ich mich zweimal beim Aufsichtspersonal durchfragte :) )
Die Bilder waren rundum zugänglich und man konnte sehr nah an sie heran. So weit so schön. Die Ausstellung war in verschiedene Themen unterteilt die jeweils etwa 4-5 Bilder umfassten, so widmete sich ein Teil beispielsweise der Sammlungsgeschichte, die man anhand verschiedener Siegel und Marken vedeutlicht, ein anderer Teil den "Restaurationsarbeiten" vergangener Jahrhunderte oder aber der Herstellung der "Malgrundlage" bzw. wie es so manchem Werke im Laufe der Jahrhunderte erging.
Zum besseren Verständnis gibt es ein kleines kostenloses Heftchen mit den nötigsten Informationen zu jedem Bild, sowohl, was es vorne zu sehen gibt, als auch die erwähnenswerten Merkmale der Rückseite. Die Informationen sind tatsächlich extrem rudimentär und ich empfehle dringend(!) sich eine der Führungen (am Sonntag und Mittwoch) anzutun und danach erst die Ausstellung auf eigene Faust zu erkunden das sind etwa 60 Minuten, die sich wiklich lohnen und alles andere als trocken sind. Ansonsten ist man doch arg verloren ob der Rückseiten, weil einem viele Details einfach entgehen.
Abschließend gibt es noch eine kleine Lichtinstallation im Vorraum, wo man es sich in einem der dort bereitstehenden Sessel fallen lassen kann (*hüstel* es sind nur 3 und ich saß dort alleine, ich weiß nicht, wie gut die Ausstellung in der Zwischenzeit besucht ist :) ), die einem nochmals einzelne Details der Bilder herausstellt.
Mir hat die Ausstellung extrem gut gefallen man sieht Bilder tatsächlich mit anderen Augen und so manchesmal birgt die Rückseite Überraschungen die erst erklähren, warum ein Bild heute so aussieht, wie es aussieht. Ich fand es spannend, die Markierungen und Kennzeichnungen zu sehen, die irgendwann mal irgendjemand angeracht hat, weil er sie für wichtig hielt und bei denen man heute darüber rätselt, was sie bedeuten könnten man konnte Geschichte und Geschichten auf den Rückseiten erkennen, die sie zumindest für mich vielfach interessanter machten, als das, was man vorne sehen konnte. Manche Rückseite bot wahre Romane an handschriftlichen Notizen und tatsächlich habe ich in dieser Ausstellung jede Menge über alte und neue Restaurationstechniken, Herstellungsverfahren der für die Bilder verwendeten Holzplatten (und dementsprechend die Maltechniken) gelernt über das ich erschreckend wenig wußte (Die meißten Bilder wurden tatsächlich auf Holzplatten gemalt und die Maastrichregion war wohl ein Zentrum für deren Herstellung) und aus rein ästhetischer Sicht sind viele Rückseiten auch sehr lohnenswert :).
Alles in allem eine empfehlenswerte Ausstellung mit sonst nicht möglichen Einblicken. Wer von Euch in Aaachen oder Umgebung weilt sollte sich dort einmal blicken lassen die Zeit lohnt wirklich, ... und wer etwas mehr davon mitbringt kann sich noch einige interessante Werke aus dem Barock und dem Biedermeier im Museum selbst ansehen (kostet nichts extra) und anschließend noch eine Kaffee im Museumscafè schlürfen :). Ich werde zumindest ersteres und letzeres sicherlich nochmal machen.
Bilder hätte ich Euch gerne gezeigt, aber photografieren war leider nicht gestattet der Ausstellungskatalog war diesesmal auch keine Alternative, denn er war das einzige Manko der Ausstellung in einem seltsamen, fast quadratischen, Format waren die Bilder der Gemälde entsprechend klein abgebildet, dazu ist der gesamte Druck zu dunkel geraten, so daß viele Details einfach absaufen. Die textlichen Informationen waren umfangreicher als in den kleinen Broschüren, aber einiges fehlte, weil sie vermutlich für Kunsthistoriker uninteressant sind die mich als Laien aber brennend interessiert hätten. Oder anders ausgedrückt für die, welche mich kennen: Ich habe tatsächlich unüblicherweise von einem Kauf abgesehen.
Die Ausstellung läuft noch bis zum 14. Januar 2007.
Offizielle Seite der Ausstellung | Öffnungszeiten
© 2003-2007 Holger Rinke. Letzte Aktualisierung: 24.12.2006